Außer Spesen nichts gewesen

Schwarzer dämonisch grinsender SmileyORF-Star von Mafia in den Tod getrieben? So lautet die reißerische Überschrift eines bunten Blattes, das man, neben „Heute“,  bei den U-Bahnstationen zu einem angemessenen Preis erhält.

Im Artikel selbst ist davon die Rede, dass Peter Pirker, ein pensionierter Journalist, der einst für den Österreichischen Staatsfunk tätig gewesen ist, vermisst wird. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Auf seinem Computer soll ein Abschiedsbrief gefunden worden sein.

Von der Mafia in den Tod getrieben? Die Schlagzeile hätte wohl besser lauten sollen: „Von der eigenen Gier in den Tod getrieben?“ So tragisch das Ganze auch sein mag. Peter Pirker wurde schlicht und einfach Opfer seiner Gier. Über seine Fähigkeiten als Journalist muss ich mich hier nicht unbedingt auslassen. Als Wirtschaftsjournalist soll er gearbeitet haben, und da fällt er auf einen bereits seit Jahren medial breitgetreten Betrug herein, das spricht ohnehin für sich.

Erfahrener Journalist fiel auf “Wash-Wash”-Trick rein
2013 war Pirker auf einen üblen Internet-Trick hereingefallen. Er hatte eine E-Mail aus Nigeria erhalten, in der ihm eine Verdopplung seines Investments in Aussicht gestellt wurde – mit ­einer hanebüchenen Geschichte: Millionen Dollar wären durch das irrtümliche Überschütten wertlos geworden, mit einer – zugegebenermaßen teuren – geheimnisvollen Substanz sei der Schaden wiedergutzumachen. Der Großteil der Empfänger solcher „Kettenbriefe“ löscht diese E-Mails sofort, der erfahrene Wirtschaftsjournalist Pirker ging aber darauf ein – und saß damit dem „Wash-Wash“-Trick auf, der Interpol seit Jahren bekannt ist.

Im Laufe der folgenden Monate gab er sein ganzes Vermögen aus, um an den Dollar-Schatz zu kommen. Wie das Magazin News berichtet, verkaufte er seine Privatwohnung, die seiner verstorbenen Mutter und ein Ferienhaus in Kärnten. Doch die Nigerianer wollten immer mehr. Das ominöse Reinigungsmittel hätte sich immer mehr verteuert. (oe24.at)

Der „Wash-Wash“-Trick ist nicht die einzige Geschäftsidee, mit der unsere Freunde vom Schwarzafrikanischen Kontinent, geistig nicht so regen Erdenbürgern das Geld aus der Tasche ziehen. Zu den nigerianischen Highlights zählen das Märchen vom millionenschweren Lottogewinn, wo man, um ihn ausbezahlt zu bekommen, hohe „Rechtsanwalts- und Transaktionskosten“ bezahlen muss, den Gewinn bekommt man selbstverständlich nicht zu Gesicht, dafür aber eine wunderschöne bunte Urkunde. Ich habe vor einiger Zeit eine solche zugeschickt bekommen. Die Millionen von Euro, die mir darin zugesichert wurden, warten noch heute auf mich. Und die Urkunde ist längst im Datennirwana des digitalen Papierkorbes verschwunden – die Taste [Entf] war da sehr hilfreich.

Und nicht zu vergessen das schwarzafrikanische Märchen vom reichen Prinzen, der auf der Flucht ist und ein Konto benötigt, über das ein mehrstelliger Millionenbetrag geschleust werden kann. Für seine Mühen soll man mit 5 oder mehr Prozent des durchgeschleusten Betrags entschädigt werden. Natürlich fallen auch hier hohe Anwalts- und Transaktionsgebühren an. Und die avisierten Millionen landen natürlich auch nicht auf dem Konto.

Irgendwann muss sich doch der Verstand melden. Auch wenn man nicht gerade das Aushängeschild der Natur für gut geleistete Arbeit ist, irgendwann müssen doch die Alarmglocken zu läuten anfangen. Spätestens dann, wenn bereits mehrere tausend Euro überwiesen wurden und man, außer weiteren Geldforderungen, nichts erhält.