Heinzi, Claudia und der Islam

Was für ein ElendAuch in so linken Postillen, wie dem „Standard“, kann man etwas Lesenswertes finden. Ja, meine lieben Leser und Leserinnen, jetzt ist es an das Tageslicht gekommen, auch ich lese den „Standard“. Zwar nicht oft, aber immer dann, wenn ich das Bedürfnis verspüre, Buße zu tun, ich das Bedürfnis habe, mich zu bestrafen.

Ich weiß, es ist eine harte Strafe, dieses Machwerk zu lesen, jenen Ableger des „Falters“, der offensichtlich für die Zielgruppe geschaffen worden ist, die beim Lesen die Lippen bewegt. Aber gelegentlich muss es sein, dass ich Österreichs gebräuchlichste Einlage für Hamster- und Vogelkäfige lese. Sogar die Online-Ausgabe kann man lesen. In der Regel nach dem vierten oder fünften Zipfer.

Ja ich war selbst überrascht, dass ich  in der Online-Ausgabe des  „Standard“ etwas gefunden habe, das man wirklich als „lesbar“ bezeichnen kann, auch dann, wenn man nüchtern ist.

Unser ehrenwerter, untadeliger und sozialdemokratischer Bundespräsident, weniger schmeichelhaft auch „Roter Heinzi“ oder ironisch auch „Kuschlbärchen“ genannt, er ist doch immer gleich so betroffen,  allerdings nur dann, wenn unserer FPÖ ein verbales „Fopatscherl“ passiert ist.

In Angelegenheiten, die das König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog betreffen, ist unser Heinzi nicht so sensibel, nicht so empfindlich. Er hält trotz des Wissens, auf welche  Art und Weise in Saudi-Arabien Recht gesprochen wird und wie es um die Bürger- und Menschenrechte dort bestellt ist, die Entscheidung, ein „religiöses Dialogzentrum“ in Wien zu errichten, nach wie vor für richtig. Alle außer Heinzi und GenossInnen wissen mittlerweile was solche religiöse Fanatiker unter einem „Dialog“ verstehen.

Im Königreich sind sämtliche Symbole anderer Religionen verboten, schon das Einführen einer Bibel ist strafbar, Juden erhalten keine Einreiseerlaubnis. Im vergangenen Jahr wurden mindestens 83 Menschen öffentlich hingerichtet, üblicherweise nach dem Freitagsgebet – auch wenn Frau Bandion-Ortner, Vizegeneralsekretärin des KAICIID, uns unlängst versicherte, dass dies nicht jeden Freitag geschehe. Die Todesstrafe ist in Saudi-Arabien für eine ganze Reihe von Delikten vorgesehen, darunter Hexerei, Homosexualität und Apostasie. Atheisten gelten nach dem neuen saudischen Sicherheitsgesetz als Terroristen.

Dutzende Menschen sitzen wegen „Beleidigung des Islam“ in Haft. Darunter der Menschenrechtsaktivist und Blogger Raif Badawi, der im September 2014 zu zehn Jahren Haft, 1000 Peitschenhieben und einer Geldstrafe von rund 200.000 Euro verurteilt wurde. Seine Frau konnte mit den drei Kindern nach Kanada fliehen, wo sie Asyl erhielt. („derstandard.at“)

Was hat  Raif Badawi so schlimmes getan, dass er auf diese Weise bestraft worden ist?  Hat er vielleicht Drogen  konsumiert, damit gehandelt oder gar in betrunkenem Zustand in der Öffentlichkeit auf ein Bild der Königlichen  Familie uriniert? Das mit dem Urinieren hätte ich ja irgendwie verstanden.

Nein, natürlich nicht. Sein Verbrechen war noch viel  schlimmer, noch böser, noch raffinierter. Raif Badawi war so unverschämt und hat  eine Web-Seite betrieben,  auf der über so böse  Dinge, wie die Gleichwertigkeit von  Muslimen,  Juden und Christen geschrieben haben soll (Quelle: „derstandard.at“)

Dass die gute  Claudia, mehr oder weniger ein „Loblied“ anstimmt ist auch verständlich, schließlich heißt es nicht umsonst: “wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe“. Und so etwas war einmal Justizministerin. Kaum zu glauben.

Aber unser Heinzi. Dass gerade er  keine mahnenden oder kritischen Worte findet, das ist schon etwas überraschend.  Ach ja, es gab ja schließlich keinen FPÖ-Funktionär, den man, wegen angeblicher fremdfeindlicher oder diskriminierender  Worte, maßregeln oder zurechtweisen konnte, also ist die sozialdemokratische Welt in Ordnung. Ein paar zusätzliche Auspeitschungen, und einige Köpfe mehr, die in den Sand purzeln, wen stört‘s.  Zudem ist nichts davon in Österreich passiert, und Saudi-Arabien ist ein paar tausend Kilometer von Österreich entfernt.

In diesem Sinne, Freundschaft Genossen!