Hexenjagd in Wien

Geschichte bewusst machen Laut Mailath-Pokorny gehe es bei der Untersuchung der Straßennamen vor allem darum, die Geschichte der Stadt in einen historischen Zusammenhang zu stellen. Dadurch soll man Geschichte bewusst gemacht und der Bevölkerung gezeigt werden, woher die Straßennamen kommen.

So tönte jedenfalls Genosse Andreas Mailath-Pokorny, seines Zeichens politischer Offizier der SPÖ  und selbsternannter  „Großinquisitor“  in einem Artikel von Elisabeth Mittendorfer. (Standard-Onlineausgabe von 03.07.2013)

Verdammt noch mal, was soll diese Aussage. Es interessiert doch niemanden, ob die Namensgeber mit ihren Aussagen und Lebenswandel dem Linken Ideal entsprochen haben. Und bei Straßen- und Ortsbezeichnungen wie „Rudolf-Nurejew-Promenade“, „Hugo-Gottschlich-Park“ oder „Thomas-Klestil-Platz“, da muss man mit Sicherheit schon etwas länger darüber Nachdenken, woher die Namen kommen und was man mit dieser Namensgebung ursprünglich bezwecken wollte.

Und widmen wir uns wieder einmal dieser mehrjährigen wissenschaftlichen Arbeit von Oliver Rathkolb, die von so großer Bedeutung ist, wie eine Diskussion, ob Einzeller auch homosexuelle Gefühle erleben können.

Eines der  Opfer dieser geplanten politischen Säuberung ist Josef Weinheber, ein Wiener Dichter.  In besseren Zeiten, wo menschlich verständliches Fehlverhalten weniger zählte, wie die Leistung des Einzelnen, wurde Josef Weinheber (1958) mit der Benennung eines Platzes nach ihm, an der Grenze des 14.  zum 16. Bezirk geehrt. 1975 folgte die nächste Ehrung Josef Weinhebers mit der Aufstellung seiner, 1940 von Josef Bock geschaffenen Büste, im Schillerpark.

Was wird Josef Weinheber eigentlich vorgeworfen? Hat er unschuldige Zivilisten im 2. Weltkrieg getötet oder war er Aufseher  in einem der unseligen Konzentrationslager? Oder hat er etwa an Kriegsverbrechen teilgenommen?

Nein, natürlich nicht.  Laut dem Bericht der von Oliver Rathkolb geleiteten politischen Kommission, deren Wirken,  Erinnerungen an die „McCarthy-Kommission“ in den USA der 50er Jahre hervorruft,  hat er etwas wesentlich schlimmeres getan. Er hat sich von den Faschisten vereinnahmen lassen.  Natürlich hätte er auch ablehnen können und riskiert,  Mauthausen oder Dachau, wie so viele andere,  die nicht mit dem System  kooperiert haben, von Innen, zu sehen.

… Der Postbeamte und Schriftsteller Josef Weinheber ließ sich von den Austrofaschisten und von den Nationalsozialisten vereinnahmen. 1933 wurde er Fachschaftsleiter für Schrifttum im „Kampfbund für deutsche Kultur“. 1936 erhielt der den Mozartpreis und 1938 publizierte er im „Bekenntnisbuch österreichischer Dichter“. Im Oktober 1938 war er bei Goebbels „Weimarer Dichtertreffen“ (Bekenntnisvortrag als Dichter der Ostmark). 1941 erhielt er den Grillparzerpreis der Stadt Wien und 1942 wurde er zum Ehrendoktor der Universität Wien ernannt.

Bereits 1931 trat er in die NSDAP ein und erhielt die Mitgliedsnummer 782.298. Zu­nächst wurde der Erfassungsantrag Weinhebers vom Kreisgericht Wien III der NSDAP abgelehnt. Die Ablehnung wurde am 26. Jänner 1942 vom Kreisgericht Wien III der NSDAP revidiert, da Weinheber „im Kulturleben des deutschen Volkes eine derart überragende Stelle“ einnahm. (Beschluss des Kreisgericht Wien III der NSDAP am 26.01.1942; BArch, PK N96)

Die Reichsleitung hat am 15. Juni 1942 den Aufnahmean­trag von Weinheber neuerlich abgelehnt, da er 1934 die Mitgliedsbeiträge nicht be­zahlt hat und diese als „Austritt durch schlüssige Handlungen“ bewertet wurde (Vgl. Schreiben an den Gauschatzmeister des Gaues Wiens der NSDAP am 15.06.1942; BARch, PK N96) Weinheber wurde rückwirkend mit 1. Jänner 1941 wieder in die NSDAP aufgenommen und erhielt eine neue Mitgliedsnummer 9.638.922 zugewiesen. (Vgl. Schreiben an den Gauschatzmeister des Gaues Wien der NSDAP am 23.03.1944; BArch, PK N 96). Kurz vor Kriegsende 1945 beging Weinheber Selbstmord….

Zitat: Abschlussbericht “Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“

Wie auf „diepresse.com“ nachzulesen ist, droht nun die Josef-Weinheber-Gesellschaft für den Fall einer  Umgestaltung des Denkmals, wie sie durch Andreas Mailath-Pokorny angekündigt worden ist, mit dem Abzug  der Büste von Josef Weinheber, dessen Besitzer die Gesellschaft immer noch ist.

Die Entfernung, ebenso wie die politisch motivierte Umgestaltung des Denkmals wäre mit Sicherheit ein beträchtlicher Verlust für Wien, das ein Stück Geschichte verlieren würde.