Neues aus dem Reich des Sonnenkönigs

Einfach nur EkelhaftUnsere hochwohllöbliche Stadtregierung, die noch nie so bürgernah und bürgerfreundlich war und auch noch nie so sozial agiert hat wie jetzt, wurde wieder einmal durch das asoziale  und widerwertige Verhalten einiger Fahrgäste unserer so geschätzten Wiener Linien dazu gezwungen, eine neue Gebühr einzuführen.

Diese neuerliche Verteuerung des öffentlichen Verkehrs in diesem Jahr trifft diesmal nur die Benutzer einer Jahreskarte. Einige von den Jahreskartenbesitzern besaßen  doch die unglaubliche Frechheit, wenn sie einen längerdauernden Urlaub antraten, die Jahreskarte zu kündigen und nach dem Urlaub wieder neu zu kaufen. Wie perfide Menschen doch sein können.

Grund für die Neuregelung: Zu viele Kunden hätten die Jahreskarte für kurze Zeiträume – etwa einen längeren Urlaub – gekündigt, um sie danach wieder neu abzuschließen. “Ein unfassbarer Verwaltungsaufwand”, der für das Unternehmen nicht mehr tragbar sei, so der Sprecher. Zudem sei diese Vorgangsweise unfair gegenüber jenen Kunden, die sich für Tickets mit kürzerer Laufzeit entscheiden. („vienna.at“)

Die Wiener Linien braucht das Geld. Wo doch ein beträchtlicher Teil der öffentlichen Verkehrsmittel in einem solchen Zustand sind, der uns glauben lässt, dass wir gerade einen Krieg überstanden haben.

Wir dürfen unserer ehrenwerten Stadtregierung aber auch keinesfalls Bösartigkeit, Misswirtschaft oder gar Inkompetenz unterstellen, das wäre doch Majestätsbeleidigung. Unser glorreicher Sonnenkönig, Michael das Letzte und seine Mitregentin, Mary die Unwissende, wären doch bei einer solch ungerechten Kritik zu Recht eingeschnappt. Und das wollen wir doch nicht? Nicht wahr! 🙂

Sie sind doch so selbstlos, sie opfern sich für uns einfaches Volk auf. Und man darf auch nicht vergessen, dass das Geld wo anders dringender benötigt wird.

Es gibt noch so viele Plätze, die derart heruntergekommen sind, dass sogar unsere Freiluftapotheker, die vorwiegend aus einer bestimmten „südschwedischen Provinz“ in äquatornähe stammen, davor Abstand nehmen, sich an einem solchen Ort mit ihren Ein-Personen-Betrieben zu etablieren.

Und dann gibt es auch noch so viele Parkplätze die in Abstellanlagen für Fahrräder umgebaut werden müssen. Schließlich hat jeder Wiener Radfahrer das Recht auf seinen eigenen Radabstellplatz, vor der Wohnung, vor dem Arbeitsplatz, sofern er nicht ein Profiteur unseres Sozialsystems ist. Natürlich darf auch der reservierte Abstellplatz vor dem Lieblingslokal nicht fehlen, schließlich ist es nicht zumutbar, betrunken nach Hause gehen zu  müssen.

Zu guter Letzt  darf man auf die vielen schmalen Gehsteige nicht vergessen. Von denen eine Vielzahl so schmal sind, dass nicht einmal drei Radfahrer, ohne sich gegenseitig zu behindern, darauf nebeneinander fahren können.

Was sind da schon 18 Euro, um die da die Jahreskarte teurer werden kann, schließlich bieten die Wiener Linien doch etwas. Eine unzuverlässige, störungsanfällige U-Bahn, unfreundliche Fahrer und kaum Sicherheit für die Fahrgäste. All das muss doch schließlich finanziert werden.

Also haben wir doch ein bisschen Verständnis für unsere rotz-grünen „Freunde des Volkes“. Seien wir doch froh, dass sie wenigstens etwas können, nämlich uns abzocken.

In diesem Sinne: Freundschaft Genossen!