Neulich in der U-Bahn

Dank der in Wien herrschenden Verkehrspolitik sind unzählige Wiener und Wienerinnen gezwungen, früher als sonst aufzustehen, um mit dem „Vassilakou-Express“, der für seine Störungshäufigkeit bekannten U-Bahn, zur Arbeit zu fahren. Auch ich bin eines dieser Opfer.

Da bekanntlich immer mehr Menschen in die U-Bahn gezwungen werden, steigt auch der Anteil jener Menschen in der U-Bahn, der von der Natur mit nicht besonders viel Verstand gesegnet worden ist.  Bei ungefähr 15 Prozent Grünwähler oder mehr, ist dieser bedauernswerte Menschenschlag nicht gerade gering ausgefallen. Und einige dieser Prachtexemplare machen aus diesem Makel auch kein Geheimnis. Eher das Gegenteil ist der Fall, sie stellen ihn Stolz zur Schau.

Eines späten Nachmittags, ich war gerade auf dem Heimweg, gebeugt von meinem Tagewerk,  hatte ich eine dieser Begegnungen, bei denen man glaubt, dass man träumt. Ich war gerade dabei den schmuddeligen Bahnsteig zu verlassen und betrat den Aufzug. Nach mir stieg ein sechzehn- oder vielleicht auch siebzehnjähriges Mädchen ein. Die meisten von uns befanden uns bereits in „geistiger Parkposition“, mich eingeschlossen, und wir warteten darauf, dass sich der Aufzug endlich eine Etage höher bewegte.

Gerade als sich die Türen des Aufzugs bewegten,  holte uns eine Stimme aus der Lethargie. Eine Stimme, die einerseits weiblich klang, andererseits aber an einen Riesensaurier in der Brunft erinnerte.

 „Platz da, Platz da, ich bin eine Mutter mit Kinderwagen!“

Etwas irritiert drehte ich mich Richtung Aufzugstür und sah so einen kleinen blonden Hausdrachen, der hinter einem Kinderwagen stand und versuchte, diesen mit Gewalt in den Aufzug zu schieben. Als dieser genetische Unfall endlich realisierte, dass sie und ihr Kinderwagen einfach nicht genug Platz hatten, begann sie weiter zu toben, mir schien als würde diese dumme Nuss, eine Spur lauter und aggressiver werden.

„Platz da, aussteigen, ich bin eine Mutter und habe Vorrang!“, dröhnte es wieder in den Aufzug hinein. Und die kleine Studentenmama, ja sie wirkte tatsächlich wie eine Studentin, so vom Typ GRAS-Aktivistin, immer bereit zum Steinewerfen, versuchte nun mit etwas mehr Energie in den Aufzug hineinzukommen.

Als erste gab das junge Mädchen, das nach mir den Aufzug betreten hatte auf. Kaum hatte das Mädchen den Aufzug verlassen, drängte das blonde Blödie wieder in den Aufzug, und überraschenderweise hatten sie und ihr Partyunfall, immer noch nicht genug Platz im Aufzug.

Also ging das Gezeter von neuem los. „Platz da, Platz machen, ich bin eine Mutter mit Kind! Ich habe Vorrang!“

Gerade als ich etwas Unpassendes sagen wollte, drängte sich ein weiterer Fahrgast hinaus. Aber es reichte immer noch nicht. Der Kinderwagen war einfach zu groß. Und jetzt wählte sie mich als Ziel ihrer, so höflich formulierten Bitte, für sie und ihr „studentisches“ Rauschkind Platz zu schaffen.

Da ich an sich als  Gentleman erzogen worden bin und daher zu Damen meistens höflich bin, lächelte ich sie an, spitzte die Lippen zu einem angedeuteten Kuss und sagte: „Der ist speziell für dich“. Gleichzeitig erblickte sie aber auch meine linke Hand, die mit einer unverwechselbaren Geste, meinen „Wunsch“ an sie eindeutiger formulierte.

Und siehe da, die Aufzugstüren schlossen sich und wir konnten uns nun Richtung Oberwelt bewegen. Dass ich die Worte des „Dankes“ die mir dieses Musterbeispiel an Weiblichkeit wutentbrannt nachgerufen hatte, nicht verstanden habe, betrübt mich noch heute.

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