Neulich in der U-Bahn

U-Bahn 01 (Groß)Und wieder einmal war es so weit. Eine Garnitur der U4 zeigte im Morgengrauen ihre sozialdemokratische Gesinnung.  Es gab einen neuen Streckenrekord für die Fahrt von der „Längenfeldgasse“ bis zum „Karlsplatz“. Um die 20 Minuten. Eine wahrlich gute Zeit. Jedenfalls für einen Haufen sozialistischen Schrottes.

Und das Gepoltere und Gekrache, das der Zug dabei von sich gab, war nicht einmal das Schlimmste auf dieser Fahrt.

Das wirklich Schlimmste bei dieser Fahrt war, dass mein Gegenüber, die aktuelle Ausgabe von „Heute“ las. Und da grinste mir, dümmlich wie immer, unsere verehrte Frau Vizebürgermeister entgegen. Der „Schrecken der Wiener“ versuchte wieder einmal, grünen Mist, als Kaviar zu verkaufen.

Nachdem ich den aufsteigenden Ekel überwunden, und ich die beschlagenen Brillengläser gereinigt hatte, sogar meine Brille rebellierte, blickte ich genauer hin. Jetzt erst  konnte ich den Schwachsinn in seiner Gesamtheit klar erkennen. Es ging wieder um die Mariahilfer Straße. Stolz wurde der „Heute-Poster“ gezeigt. Als Überschrift konnte man lesen: „Heute“ und Vassilakou erklären die neue MaHü. Als ob die Griechin je etwas, dass sie geschaffen hat, erklären könne.

Jetzt wird es wirklich ernst. Die Anrainer der Mariahilfer Straße bezahlen mit dem Verlust von etwas Komfort die Verwirklichung eines grünen Traumes. Aber sie haben auch etwas gewonnen. Sie werden das Gefühl kennen lernen, wie es sein muss, durch ein Minenfeld zu laufen, Minen im Kleide wildgewordener Radfahrer, die die Grenzen ihres neuen Spielplatzes ausloten.

Auch für einen Voyeur wie mich, bietet die „neue“ MaHü etwas. Ich werde mich mit einem extrem überteuerten Becher Kaffee aus dem „Starbucks“ auf eine der neuen und geschmacklosen Sitzgelegenheiten setzen, und mit Genuss beobachten, wie Fußgänger, die den Kotflügel oder die Gabel eines dieser Citybikes als unfreiwillige Mitfahrgelegenheit auserkoren haben, vom Rettungsdienst erstversorgt werden. Und dann erst all die Omis, die im Zick-Zack-Kurs, vor Entsetzen die gefüllten Einkaufstaschen schwingend, versuchen, den wie Gladiatoren des antiken  Roms gepanzerten Radfahrer auszuweichen, hoffend, nicht aus Versehen von einem Taxi oder Autobus „mitgenommen“ zu werden.