Nur ein Obdachloser

Er war ein Niemand. Er war jemand, der von den meisten von uns nicht einmal zur Kenntnis genommen wurde, selbst dann nicht, wenn er im Sterben lag. Er ist doch selbst schuld daran, dass er nur ein Namenloser in Wiens Straßen war. Er war schließlich nur jemand, der im Leben kräftig strauchelte und nicht mehr die Kraft hatte, sich zu erheben.

Er war ein Niemand, jemand der sein Leben am untersten Ende der sozialen Leiter verbracht hatte,  jemand, der über keine Lobby von immer ach so betroffenen Gutmenschen verfügte, schließlich war kein ständig  missverstandener Angehöriger einer ethnischen Minderheit in Wien, kein Kültürbereicherer, der das Wiener Stadtbild bunter und vielfältiger machte.  Er war eben nur ein Obdachloser, jemand, der nicht einmal interessierte, als er in einem Aufzug im Wiener U-Bahn-Netz im Sterben lag. Man fand es nicht einmal der Mühe wert, den Notrufknopf zu drücken – so geschehen in Wien am 2. Weihnachtstag.

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