Und schon wieder wurde es in Wien etwas kälter

Sozial(demokratisch)e GerechtigkeitWien ist wieder um ein Stück sozial(demokratisch)e Gerechtigkeit reicher. Ein weiterer Sozialmarkt öffnete seine Pforten. Das Wiener Hilfswerk hat seinen zweiten Markt in Wien eröffnet. Neben einem Markt in der Neustiftgasse gibt es nun einen weiteren Markt in der Hyrtgasse in Wien-Ottakring.

In letzter Zeit schießen in Wien scheinbar Sozialmärkte wie Pilze aus dem Boden. Wäre ich eines bösen Gedankens fähig, so würde ich doch glatt glauben, dass unsere „ehrenwerte“ Stadtregierung in irgendeiner Weise kräftig an den Sozialmärkten mitverdienen würde.

Selbstverständlich ist es nicht so. Die Ursache für dieses Wachstum liegt natürlich in der fehlenden Fachkompetenz unserer Feudalherren. Für den Beruf des Politikers benötigt man bekanntlich keine Ausbildung. Und das schlägt sich bei so manchem dieser, mehr oder weniger wertlosen Zeitgenossen, eben in der Qualität der Arbeitsleistung nieder.

Und wenn man dann auch noch die „Einzelfälle“ in unserer hochwohllöblichen Stadtregierung näher betrachtet, könnte man zu dem Schluss kommen, dass sie ihre „Fachkräfte“ aus den Absolventen von Wiens Sonderschulen rekrutieren. Wenn 2015 nicht ein blaues Wunder geschehen sollte, bleibt das Wiener Rathaus, für Jahre, neben dem „Ballhausplatz“ Wiens größte geschützte Werkstatt.

Wer darf eigentlich in den Sozialmärkten des Wiener Hilfswerks einkaufen?

Einkaufsberechtigt sind Menschen mit Wohnsitz in Wien und einem maximalen monatlichen Nettoeinkommen unter der Armutsgrenze der Statistik Austria (derzeit für eine Einzelperson: EUR 1.090.-, 12 x im Jahr, EUR 935.- bei 14 x im Jahr, Zuschläge für weitere im gemeinsamen Haushalt lebende Partner und Kinder).

Im SOMA Neubau werden Einkaufspässe in der Zeit von 10.00 – 13. 00 Uhr (ausgenommen Dienstag) ausgestellt, in den zehn Nachbarschaftszentren des Wiener Hilfswerks nach telefonischer Vereinbarung. Dazu sind folgende Unterlagen mitzubringen:  Aktueller Meldezettel, Einkommensnachweis und  Lichtbildausweis.

Der wöchentliche Einkaufswert beträgt maximal EUR 30,- pro Einkaufsberechtigtem. Ausgenommen von den Einkaufsbeträgen ist Brot, das täglich in begrenzter Zahl gratis abgegeben wird. Das Verkaufssortiment hängt von den eingehenden Ware (Überschussproduktionen, Restmengen, Waren mit Verpackungsfehlern, etc.) ab und umfasst die Bereiche: Grundnahrungsmittel, Hygieneartikel und Haushaltswaren (kein Vertrieb von Tabakwaren und alkoholischen Getränken). Die Preisgestaltung ergibt sich aus dem Warenwert und beträgt im Allgemeinen ein Drittel bzw. die Hälfte des Handelspreises. (Quelle: http://www.hilfswerk.at)

„Ich lass mir mein Wien nicht schlechtreden!“ Sind das nicht jene Worte, die Wiens berüchtigter Bürgermeister von sich gab, als er einmal, seiner durchaus entbehrlichen Meinung nach, mit ungerechtfertigter Kritik an Wien, und den Auswirkungen seines „Führungsstils“ auf das Wohlbefinden der Bevölkerung, konfrontiert worden ist?

Was für ein Witz, die Bezeichnung „Führungsstil“ für etwas, das sich auf, „Ja Mary“, „Sicher machen wir das so.“, „Natürlich bekommst mehr Geld für deine Projekte.“, „Wieviel Zucker in deinen Kaffee?“, „Noch ein Stück Kuchen?“, beschränkt.

Ja, so sind sie, unsere Sozialdemokraten. Durch das lange Stehen am Büffet bei den diversen Veranstaltungen ist eben der Rücken in Mitleidenschaft gezogen worden. Und gibt’s bei solchen Büffets nicht auch alkoholhaltige Getränke?

Nun aber Schluss mit den derben Witzen auf Kosten jener Menschen, die von der Natur etwas stiefmütterlich behandelt worden sind. Sie sind nicht wirklich so dumm,  wie es den Anschein hat. In Wahrheit sind sie nur das Ergebnis unseres Bildungssystems. Und so mancher grüner Schwachkopf, der diese roten Irrtümer der Natur ergänzt, dürfte als Säugling halt vom Wickeltisch gefallen sein.

Aber etwas muss geschehen. Es darf doch nicht sein, dass ein Großteil der herkömmlichen Supermärkte in den nächsten Jahren durch Sozialmärkte ersetzt werden wird. Bei dem Geldbedarf, der in Wiens geschützter Werkstatt herrscht, laufen auch wir, die das Glück haben, über ein Einkommen von etwas mehr als 1.100.- Euro zu verdienen, in Gefahr, Sozialmarktkunde zu werden.

Nicht dass man sich schämen müsste, Sozialmarktkunde zu sein. Vielmehr bedeutet Sozialmarktkunde zu sein, dass man sich in einer finanziellen Situation befindet, in der man von dem Leben, das die Mehrheit kennt und als selbstverständlich betrachtet, ausgeschlossen ist. Ein Kinobesuch mit den Kindern wird dann genauso zur Luxusware wie der Besuch bei „McDonalds“.

Ihr, die Betroffen, geht an die Öffentlichkeit, schämt Euch nicht, sucht nicht die Schuld bei Euch, nennt die wahren Schuldigen beim Namen, die, die kein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie bei Euch den Sparstift ansetzen und für sich selbst, für jede Mehrleistung, die über das Tagesminimum an Arbeit hinaus geht, eine Sondervergütung fordern.

In diesem Sinne, Freundschaft Genossen!