Von Haustieren und Obdachlosen

Man könnte fast glauben, dass man in Österreich versucht, den USA, den Ehrentitel „Land der unbegrenzten Dummheit“ streitig zu machen. Zu diesem Schluss  könnte man kommen, wenn man sich näher mit einem Grazer Tierarztteam beschäftigt. Sie haben ein neues Geschäftsmodell entwickelt, wie man den „Armen im Geiste“ noch mehr Geld aus den Taschen ziehen kann. Eine mobile Tierarztpraxis.

Man ist der Meinung, dass dies stressfreier für die Tiere ist. Irgendwie verständlich ist es schon, wenn man dem vierbeinigen Liebling den Stress etwas reduzieren will. Schließlich kann es ziemlich anstrengend sein, den ganzen Tag herum zu liegen und zwischen den Schlaf- und Spielpausen mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt zu werden. Und so ein Dauerlauf in einem Hamsterrad kann auch in Stress ausarten.

Oder man denke nur an die sensible Psyche eines Kampfhundes. Der muss doch, nachdem er einem Kleinkind die Nase oder ein Ohr abgebissen hat, auch psychologisch und stressfrei nachbetreut werden, damit er sich, ohne seelischen Schaden zu erleiden, wieder vom Herrchen oder Frauchen verwöhnen lassen kann.

Und einen Vorteil hat das Ganze auch für den Menschen. Man braucht das Kind nicht mehr schreiend in der Wohnung zurücklassen, wenn man sich mit dem Taxi auf den Weg zur Tierklinik macht, um den Liebling der Familie versorgen zu lassen, denn für „nur 28 Euro“ bekommt einen schon Hausbesuch geschenkt.

Steht man aber als Mensch auf der falschen Seite der sozialen Leiter, so kann es weitaus schlechter aussehen. In Wien steht die „Arztpraxis“ für „Unversicherte“ vor dem Aus.

„Nach derzeitigem Stand der Dinge sieht es so aus, als müssten wir mit 1. April 2014 zusperren“, sagt Markus Reiter, Geschäftsführer des Wiener Sozialvereins Neunerhaus. Denn dann ist das Startkapital des Pharmaunternehmens Baxter in der Höhe von mehr als 100.000 Euro aufgebraucht. „Für die Zeit danach haben wir noch immer keine Finanzierungszusage, weder die Gebietskrankenkasse noch der Fonds Soziales Wien fühlen sich für uns verantwortlich.“ (Zitat: „diepresse.com“)

Dabei soll es um 500 Euro pro Tag gehen, die für den Betrieb der Arztpraxis notwendig sind. 500 Euro pro Tag,  etwas mehr als 180.000 Euro im Jahr. Was für ein geringer Betrag, wenn man bedenkt, wie viel Geld rotz-grün in Wien eigentlich sinnlos für Image- und Prestigeprojekte verpulvert.

… „Durch die bedarfsorientierte Mindestsicherung hat sich die medizinische Versorgung von Menschen in Notsituationen geändert, mittlerweile hat jeder Anspruch auf die E-Card und somit Zugang zum regulären Gesundheitssystem“, sagt Iraides Franz, Sprecherin des Fonds Soziales Wien. „Daher braucht es keine Parallelstruktur. Inklusion bedeutet nicht, für jede Zielgruppe ein eigenes System einzurichten, sondern das Regelsystem so zu gestalten, dass es für alle zugänglich ist.“ (Zitat: „diepresse.com“)

Natürlich hat man seitens der Stadtverwaltung kein Interesse an Obdachlosen oder ähnlichen sozialen Randgruppen, schließlich sind sie ein fiskalischer Minusposten, den man sich nicht als Geldquelle halten kann. Also wozu sich mit ihnen beschäftigen.

Aber für Denkmäler aller Art wie zB die „Via Vassilakou“, auch Mariahilfer Straße genannt oder der „Via Votava“, der Meidlinger Hauptstraße, ist genug Geld da. Angeblich sollen beide Denkmäler zwischen 45 und 50 Millionen Euro kosten. Und da spielt man, wegen etwas mehr als 180.000 Euro mit Menschenleben. Einfach ekelhaft.

Auch wenn vielleicht ein Teil unserer sozialen Randgruppen, und damit meine ich nicht die ewig unzufriedenen Asylwerber vom Schlage der „Votivkirchenaktivisten“ oder die von Grün “betreuten” Migranten, Zugang zum regulären Gesundheitssystem hätten, würde da ein jahrelang Obdachloser Mensch, eine auf seine Lebensumstände zugeschnittene medizinische Versorgung bekommen? Nein, ich glaube nicht.

Nicht, weil sich der Arzt oder die Ärztin nicht bemühen würden, sondern weil sie sich nicht vorstellen können, wie es wirklich ist, als ein „Namenloser“ zu leben, der seinen Schlafplatz in einer Nische in einer U-Bahnstation hat, in der es nicht allzu feucht oder zu windig ist oder der gar am Boden eines Pissoirs sein Nachtlager einrichtet. Was sind da schon etwas mehr als 180.000 Euro im Jahr, wenn man damit etwas Menschenwürde schenken kann.

Mehr dazu auf „steiermark.orf.at“ und „diepresse.com“.